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Akteure

Akteure

„Akteure gab es „1968“ aller Art, etliche ablehnend, sehr viele engagiert. Das gilt für die Gesamtgesellschaft genauso wie für die evangelische Kirche. Im Folgenden finden sich Biogramme von Menschen, die „1968“ dabei waren, davon betroffen wurden oder es aktiv mitgestalteten – in den unterschiedlichsten Funktionen und mit unterschiedlichsten Motivationen und Zielen.

Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und wird es nie sein. Sie wird laufend erweitert. Sie soll stärker als sonst üblich den Blick auf Akteure aus der Kirche lenken. Mit ihren Haltungen und ihrem Engagement für oder gegen „1968“ soll deutlich werden, wie vielfältig „1968“ auch in der Kirche war.“

Biogramme

Elisabeth Beyersdörfer

Elisabeth Beyersdörfer arbeitete zunächst beim Mädchenwerk in Hessen und Nassau und initiierte 1968/69 den Arbeitskreis „Frau im Beruf“ in Frankfurt. Ihre Zielgruppe waren berufstätige, alleinstehende Frauen, die von der klassischen kirchlichen Frauenarbeit kaum erreicht wurden. Der von Beyersdörfer bis 1985 geleitete Arbeitskreis wurde zu einer Wurzel des Ev. Frauenbegegnungszentrums EVA in Frankfurt.


Karl Dienst

Der Kirchenhistoriker und Praktische Theologe Karl Dienst (1930-2014) erlebte in seiner Gießener Gemeinde zum Karfreitagsgottesdienst 1968 einen „Go-In“, wobei er im Vorfeld aushandelte, dass das Abendmahl nicht gestört würde. Als Synodaler und Vorsitzender der Strukturkommission, seit 1970 als Oberkirchenrat setzte er sich für ein Verständnis der Kirchenreform unter konservativ-volkskirchlichen Gesichtspunkten ein.


Hermann Dietzfelbinger

Hermann Dietzfelbinger (1908-1984) amtierte 1967 bis 1973 als Ratsvorsitzender der EKD. Er trat dieses Amt in bewegten Zeiten an, als sich die erzwungene Ablösung der ostdeutschen Gliedkirchen bereits abzeichnete. Gegenüber der Studentenbewegung und innerkirchlichen Reformforderungen positionierte er sich als ein Kristallisationskern der Konservativen. Ein wichtiges Anliegen Dietzfelbingers war überdies die ökumenische Begegnung mit der Katholischen Kirche.


Rudi Dutschke

Rudi Dutschke (1940-1979) entwickelte sich schnell zu einem der prominentesten Wortführer der Studentenbewegung. Eines seiner Anliegen war die Vereinbarung seiner nie verleugneten christlichen Prägung mit dem sozialistisch-revolutionären Gedankengut. Dutschke wurde am 11.04.1968 lebensgefährlich angeschossen und starb 1979 an den Spätfolgen. Bestattet wurde er in einem für Martin Niemöller reservierten Grab in Berlin, das von diesem abgetreten wurde.


Helmut Gollwitzer

Der evangelische Theologe Helmut Gollwitzer (1908-1993) engagierte sich vor „1968“ in der Bekennenden Kirche (er vertrat Martin Niemöller in dessen Dahlemer Pfarramt) und im Protest gegen nukleare Aufrüstung in den 1950er-Jahren. Innerhalb großer Teile der Studentenbewegung gewann der persönliche Freund Rudi Dutschkes, der sozialistische Anliegen in breitem Umfang in sein theologisches Denken aufnahm, ein hohes Ansehen.


Gustav Heinemann

Gustav Heinemann (1899-1976) engagierte sich im Kirchenkampf als Rechtsberater der BK und nach dem Krieg in verschiedenen Ämtern in der EKD. Er gehörte 1945 zu den Unterzeichnern des Stuttgarter Schuldbekenntnisses. Als Bundesjustizminister trieb er einerseits Liberalisierungen im Recht voran, andererseits unterstützte er die der Studentenbewegung verhassten Notstandsgesetze. Seine Wahl zum Bundespräsidenten Im Jahr darauf gilt als Auftakt der nachfolgenden soziallibertalen Koalition.


Kurt Georg Kiesinger

Kurt Georg Kiesinger (1904-1988), der einer konfessionsverbindenden Ehe entstammte, bezeichnete sich gerne als „evangelischen Katholiken“. Als Bundeskanzer der ersten Großen Koalition trieb er die Verabschiedung der Notstandsgesetze voran. Dies und seine Vergangenheit als NSDAP-Mitglied und als Spitzenbeamter im Auswärtigen Amt ab 1940 machten ihn bei der Studentenbewegung zur Unperson.


Martin Luther King

Der Baptistenpastor Martin Luther King (1929-1968) entwickelte sich früh zu einem der wichtigsten Wortführer der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung im Kampf gegen Rassentrennung und Diskriminierung. Aufgrund seiner Protestform des gewaltfreien Widerstands und seiner Medienwirksamkeit genoss King weltweites Ansehen. Er wurde am 4. April 1968, eine Woche vor dem Attentat auf Dutschke, ermordet.


Herbert Mochalski

Herbert Mochalski (1910-1992), ein Pfarrer der Bekennenden Kirche und Vertrauter Niemöllers, versah 1951 bis 1961 seinen Dienst als Studentenpfarrer in Darmstadt auf streitbare Weise. Er engagierte sich in der Christlichen Friedenskonferenz und setzte sich für die Annäherung an den Ostblock ein. Mochalski war Mitherausgeber und verantwortlicher Redakteur der kritischen Kirchenzeitschrift „Die Stimme der Gemeinde“.


Martin Niemöller

Als ehemaliger KZ-Häftling und Schlüsselfigur des Kirchenkampfs genoss Martin Niemöller (1892-1984) großes Ansehen, auch im Ausland. Nach seinem Rücktritt als Kirchenpräsident der EKHN 1964 engagierte er sich weiterhin in der Friedensbewegung. Aufsehen erregte er etwa mit seinen Reise nach Moskau und Nordvietnam. Aufgrund partieller Übereinstimmungen, etwa in der Bewertung der westlichen Sicherheitspolitik, näherte er sich im Alter zusehends der Studentenbewegung an. Eine weitergehende Demokratisierung in der Kirche lehnte er 1968 hingegen ab und erklärte im Dissens deswegen seinen Austritt aus der Synode.


Kurt Oeser

Kurt Oeser (1928-2007) wurde als Gemeindepfarrer von Mörfelden früh auf die Umweltbelastung durch den Flugverkehr aufmerksam. Er begründete 1967 die Bundesvereinigung gegen Fluglärm mit und engagierte sich ab 1968 als Stadtverordneter von Mörfelden. Während seiner Tätigkeit als Umweltbeauftragter der EKD 1973 bis 1992 erlangte er überregionale Aufmerksamkeit als „Startbahnpfarrer“ im Zusammenhang der Proteste gegen den Flughafenausbau.


Gert Otto

Gert Otto (1927-2005), Professor für Praktische Theologie in Mainz, war 1968 bis 1982 für seine Fakultät in der Synode der EKHN. Auf der Herbstsynode von 1968 forderte Otto in einem Redebeitrag die „schrittweise, konsequente Demokratisierung in der Kirche“.


Hildegard Schaeder

Die Kirchenhistorikerin und Slawistin Hildegard Schaeder (1902-1984) trat 1934 der Bekennenden Kirche bei. Für ihren Einsatz für verfolgte Juden wurde sie 1943 inhaftiert und posthum als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet. Von 1948 bis 1970 setzte sie sich als Referentin für die Orthodoxen Kirchen in Frankfurt für die Verständigung mit dem Ostblock ein. Schaeder lehrte zudem als Honorarprofessorin an der Goethe-Universität.


Gerlind Schwöbel

Gerlind Schwöbel (1926-2010) arbeitete nach ihrem Theologiestudium und einem Vikariat in der Frankfurter Frauenarbeit in verschiedenen Positionen als Lehrerin und Dozentin. Sie wurde 1970 zur Pfarrerin (nach-)ordiniert, was verheirateten Theologinnen zuvor verwehrt war. Nach ihrem Tod würdigte Kirchenpräsident Jung sie als „Pionierin der Gleichberechtigung im Pfarramt“.


Dorothee Sölle

Die Theologie Dorothee Sölle (1929-2003) zeichnet sich durch eine scharfe Kritik an gängigen Gottesbildern aus, die die Allmacht eines jenseitigen Vatergottes betonen. Daraus folgerte sie die Notwendigkeit politischer Konsequenzen der Theologie. Sölle war 1968 Mitinitiatorin der „Politischen Nachtgebete“ und setzte sich zeitlebens in der Friedensbewegung und für die Belange Unterdrückter ein.


Wolfgang Sucker

Wolfgang Sucker (1905-1968) war Stellvertreter Martin Niemöllers als Kirchenpräsident der EKHN und folgt ihm 1964 in diesem Amt. Sein plötzlicher Tod am 30.12.1968 wurde von einigen der Aufregung über „1968“ zugeschrieben. Sucker war zuvor Präsident des Evangelischen Bundes, für den er 1947 das Konfessionskundliche Institut in Bensheim gegründet hatte. Trotz gegebener Differenzen würdigte er respektvoll das „Feingefühl für Freiheit“ der revoltierenden Studenten.


Horst Symanowski

Horst Symanowski (1911-2009) war Pfarrer der Bekennenden Kirche und wurde für seinen Einsatz für verfolgte Juden als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Er setzte sich für die Rechte der Mitglieder der 1956 verbotenen KPD ein und war an der Gründung der Christlichen Friedenskonferenz beteiligt. Symanowski initiierte und leitete das der Arbeiterseelsorge verpflichtete „Seminar für kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft“ in Mainz.


Marie Veit

Die Theologin Marie Veit (1921-2004) unterrichtete als Religionslehrerin Dorothee Sölle, mit der sie 1968 zu den Initiatoren der „Politischen Nachtgebete“ zählte. 1973 trat sie als Mitbegründerin der Organisation „Christen für den Sozialismus“ in Erscheinung. Sie lehrte 1972 bis 1989 als Professorin für Religionsdidaktik in Gießen.


Richard von Weizsäcker

Vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten engagierte sich Richard von Weizsäcker (1920-2015) in zahlreichen kirchlichen Laienämtern. Neben seiner Tätigkeit in Synode und Rat der EKD prägte er als Kirchentagspräsident 1964 bis 1970 sowie 1979 bis 1981 diese Veranstaltungsform, die sich auch politischen Themen widmete. In der EKHN war Weizsäcker als Synodaler und als Mitglied der Kirchenleitung aktiv.


Dore Zeiß

Die Pfarrfrau Dore Zeiß (1916-2006), die mit dem überregional bekannten „Olympiapfarrer“ Karl Zeiß verheiratet war, engagierte sich im Umfeld des „Frankfurter Häuserkampfs“ im Vorstand der Aktionsgemeinschaft Westend. Sie organisierte einen Kirchengemeindeabend zu diesem Thema und stand sowohl mit den bürgerlichen Demonstranten als auch mit den Hausbesetzern – unter ihnen Joschka Fischer – in Kontakt.


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