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Paris, Frankfurt und die 1968er Generation

Paris, Frankfurt und die 1968er Generation

Museum Giersch zeigt Fotografien von Inge Werth

Die Fotografin IngeWerth dokumentierte mit ihrer Kleinbildkamera die Rebellion der 1968er Generation gegen die verkrusteten politischen und sozialen Verhältnisse. Großereignisse wie Streiks und Protestaktionen habe sie mit ihrer Nikon ebenso festgehalten wie kulturelle Ereignisse und private Szenen in Kinderhäusern oder Jugendheimen, sagte der Museumsleiter Manfred Großkinsky am 9. August. Schwerpunkte der Schau, die vom 9. August bis 14. Oktober geöffnet ist, seien die Mai-Unruhen in Paris 1968 sowie die politischen und kulturellen Ereignisse in Frankfurt am Main zwischen 1966 und 1973.

Zu sehen sind beispielsweise Bilder von den Straßenschlachten im Pariser Studentenviertel Quartier Latin, aber auch von der Demonstration für die Regierung de Gaulle. Weitere Aufnahmen präsentieren die prominenten Teilnehmer des Vietnam-Kongresses 1970 in der Frankfurter Paulskirche, unter ihnen der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, der Politologe Dolf Sternberger, der Philosoph Ernst Bloch und der erste hessen-nassauische Kirchenpräsident Martin Niemöller. Ausgestellt sind aber auch die Porträts von Musikgrößen wie Joan Baez, Muddy Waters, Sammy Davis Jr. und Jimi Hendrix.

Werth habe ihr Augenmerk immer auf die Akteure gerichtet, die sie häufig in leichter Untersicht und in porträthaften Ausschnitten erfasst habe, erläuterte Großkinsky. Um schnell auf Veränderungen  reagieren zu können, habe sie auf technische Hilfsmittel wie Stativ oder Wechselobjektive verzichtet. Sie habe sehr spontan agiert und nichts inszeniert.

„Ich habe in der Tat immer versucht, die Realität abzubilden und beide Seiten zu zeigen“, bestätigte die Fotografin. „Beim Fotografieren muss man auf die Menschen zugehen und ihre Emotionen darstellen, Teleobjektive und Blitzgerät helfen da nicht weiter“, sagte Werth. „Mir kam es auch immer darauf an, die Atmosphäre einzufangen, und nicht so sehr, ob das Motiv auch gestochen scharf ist.“

Inge Werth wurde 1931 in Stettin/Pommern geboren. Ihre Familie wurde im Zweiten Weltkrieg nach Pasewalk und später nach Stralsund evakuiert und flüchtete 1945 vor der anrückenden Sowjetarmee nach Hamburg. Dort besuchte sie die Abendschule und absolvierte anschließend eine Lehre als Rechtanwaltsgehilfin. 1963 siedelte sie nach Frankfurt über und arbeitete zunächst in einer Chemiefirma. Zur Fotografie sei sie mehr oder weniger zufällig gekommen, sagte Werth. Ein Grafikprofessor aus Kassel habe ihr eine Kamera geschenkt, die sie schließlich so eingesetzt habe, dass ihre Bilder Aufsehen erregten.

Werth arbeitete als freie Fotografin unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Frankfurter Rundschau“„Die Zeit“, die Zeitschriften „Pardon“ und „Konkret“, den Hessischen Rundfunk, Buch- und Musikverlage, die evangelische Kirche, Banken und Gewerkschaften. Reportagereisen führten sie unter anderem nach Polen, Kuba, Haiti, Jordanien, Kambodscha und Vietnam. Mit Barbara Klemm und Abisag Tüllmann, den beiden anderen großen Frankfurter Fotografinnen der Zeit um 1968, arbeitete sie freundschaftlich zusammen.

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Öffnungszeiten

Dienstags bis donnerstags von 12 bis 19 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Zu der Ausstellung wird ein Programm für Kitas, Grundschulen und für Klassen der Sekundarstufe I und II angeboten.

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